Wir rufen am siebten Jahrestag des Anschlags vom 9. Oktober 2019 | Jom Kippur 5780 zum Gedenken an die Ermordeten und zur Solidarität mit den Überlebenden und Angehörigen auf. Eine Reihe von Veranstaltungen beschäftigt sich im Rahmen des Erinnerns 2026 mit dem siebten Jahrestag des Anschlags im Zeitraum um den 9. Oktober. Hier geben wir eine Übersicht über uns bekannte Veranstaltungen in Halle (Saale) und darüber hinaus, die sich mit dem Anschlag und seinen Folgen auseinandersetzen.
Diese Übersicht wird fortlaufend aktualisiert. Solltet ihr Veranstaltungen im Rahmen des Erinnerns veranstalten, welche sich noch nicht in dieser Übersicht finden, so schreibt uns gern eine E-Mail an kontakt@halle-gegen-rechts.de
Stilles Gedenken an der Synagoge
Jüdische Gemeinde zu Halle
Datum & Ort: 9. Oktober 2026, 12 Uhr, Synagoge der Jüdischen gemeinde zu Halle
Die Jüdische Gemeinde zu Halle und die Stadt Halle (Saale) laden zu einem stillen Gedenken an der Synagoge ein. Im Anschluss besteht die Möglichkeit eines Rundganges im Hof der Synagoge (bis 13 Uhr).
Podiumsgespräch: „Modernisierter Judenhass – Über den Zusammenhang von Antizionismus und Antisemitismus.“
Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt, Jüdische Gemeinde Halle, Bündnis gegen Antisemitismus Halle
Datum & Ort: 7.Oktober 2026, 19 Uhr, Stadthaus
Podiumsgespräch mit Volker Beck, Mirna Funk und Stephan Grigat
Drei Jahre nach dem die Hamas, der islamische Dschihad und zahlreiche palästinensische Zivilisten das größte Massaker an den Juden seit dem Holocaust begingen, fällt die Bilanz erschreckend aus: Die Übergriffe auf Juden haben weltweit zugenommen. Eine Untersuchung für die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungsanteilen – außerhalb von Israel – zählte in diesen Staaten nur 2025 über 23.000 antisemitische Vorfälle, 20 Juden wurden bei Angriffen allein in Australien, Großbritannien und den USA ermordet. Auch in Deutschland ist die Situation desaströs, hier zählt die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus über 8.700 judenfeindliche Vorfälle für das vergangene Jahr.
Was dabei auffällt: Der Judenhass – ob auf der Straße oder im Internet – wird oft als legitime Kritik an Israel dargestellt. Etwa von jenen Mitgliedern der Linkspartei, die sich im Frühjahr 2026 vor der Kamera damit brüsteten, der erste antizionistische Landesverband der Partei zu sein. Zugleich bestritten sie, selbst Antisemiten zu sein. Studenten der hiesigen Kunsthochschule Burg Giebichenstein schrieben sich selbst in einem Flugblatt die Opferrolle zu, da sie nur informieren würden und dafür als Judenhasser abgestempelt worden seien. Dabei beschimpften sie nicht nur die Jüdische Gemeinde Halle, sondern forderten von der Hochschulleitung auch deren Boykott. Das Vergehen der Gemeinde: Sie ist keine Stimme gegen den einzigen jüdischen Staat.
Auf Israel werden von den Antizionisten dieser Welt Vorstellungen, Motive und Absichten projiziert, deren Nähe zu alten antijüdischen Ressentiments kaum zu übersehen ist. Wo einst von Ritualmorden an Kindern, von Brunnenvergiftungen oder von Juden als Dämonen und Teufel die Rede war, erscheinen zeitgenössische Varianten derselben Erzählung: Israel als Kindermörder, als Völkermörder, als Ausgeburt kolonialer Unterdrückung, als gefräßiger Moloch oder als allmächtiger Störenfried des Weltfriedens. Die alten judenfeindlichen Legenden funktionieren noch heute, indem sie in die politische Sprache der Gegenwart übersetzt werden. An die Stelle religiöser Anklagen treten Begriffe wie „Genozid“, „Siedlerkolonialismus“ oder „Apartheid“; an die Stelle des als Inbegriff des Bösen imaginierten Juden tritt der vermeintlich von Boshaftigkeit getriebene jüdische Staat. Gemeinsam ist all diesen Zuschreibungen die Vorstellung, Israel stehe immer in Gegensatz zu allen anderen Staaten.
Woher rührt dieser Hass auf Israel? Lassen sich Antizionismus und Antisemitismus überhaupt unterscheiden? Diesen Fragen soll im Rahmen des Podiumsgespräches nachgegangen werden.
Volker Beck ist der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Mirna Funk ist Schriftstellerin und Journalistin. Stephan Grigat ist Professor für Theorien und Kritik des Antisemitismus an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen.
Kundgebung mit Soligruppe 9. Oktober und dem bundesweiten Solinetzwerk Überlebender rechtsterroristischer Anschläge
TEKiEZ, Soligruppe 9. Oktober, Solinetzwerk Überlebender rechtsterroristischer Anschläge
Datum & Ort: 8. Oktober 2026, 17 Uhr, TEKiEZ
Festival of Resilience
Hillel-Netzwerk in Berlin
Datum & Ort: 15. November 2026, Berlin
https://widenthecircle.org/network/festival-of-resilience
Gedenkrundgang in Erinnerung und Solidarität mit den Opfern, ihren Angehörigen und den Überlebenden des Anschlags vom 9. Oktober 2019
Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage
Datum & Ort: 9. Oktober 2026, 16 Uhr, Steintor
Im Gedenken an die beiden Ermordeten und in Solidarität mit ihren Angehörigen, den Überlebenden und den Betroffenen des antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlags sowie der Jüdischen Gemeinde zu Halle (Saale) laden wir zu einem Rundgang ein. Im siebten Jahr nach dem Anschlag wollen wir der Ermordeten gedenken, gemeinsam erinnern und in Solidarität mit allen Betroffenen innehalten.
Der Rundgang wird am Steintor beginnen und über die Synagoge in der Humboldtstraße, die Magdeburger Straße bis zum TEKİEZ auf der Ludwig-Wucherer-Straße führen. Mit Schweigeminuten laden wir dazu ein, der Ermordeten zu gedenken und in Solidarität mit den Angehörigen der Ermordeten, den Überlebenden, Betroffenen und der Jüdischen Gemeinde zu Halle (Saale) zu erinnern und inne zu halten.
Gedenken der Stadt Halle (Saale)
Datum: 9. Oktober 2026, 12 Uhr
Am Mittag des 9. Oktober werden die Straßenbahnen anhalten und mit Glockengeläut ein Moment des Innehaltens im gesamten Stadtgebiet geschaffen.
Gedenken der Stadt Halle (Saale) in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalkreis
Datum & Ort: 9. Oktober 2026, 17 Uhr, Marktplatz
Und nächsten Mittwoch? ERINNERN ist Heimat: Kapitel I
neues theater Halle
Datum & Ort: 9.Oktober 2026, 16 Uhr, Schaufenster des neuen theaters
Lesung anlässlich des Gedenkens an die Opfer des Anschlags von Halle und Wiedersdorf 2019
von Carolin Millner
»Okay, pass auf, fürs Gemüt. Ich mach mit bei eurer Zukunftsplanung…«
Wer erinnert? An wen? Was bleibt? Der rechtsextreme Terrorangriff am 09.10.2019 in Halle (Saale) und Wiedersdorf wird zum Ausgangspunkt für eine Spurensuche: Was bedeutet so eine tiefgreifende Erschütterung? Wie unterscheiden sich »Davor« und »Danach«? Was hat sich verändert – im siebten Jahr nach dem Anschlag? Nicht um den Täter geht es, auch wird nicht die Tat selbst dargestellt.
Die erfahrene Dokumentartheaterregisseurin Carolin Millner hat mit „Und nächsten Mittwoch?“ im letzten Jahr eine umfangreiche Recherche, viele Begegnungen und vielfältige Perspektiven auf Mut, Angst, Antisemitismus und historische Erfahrungen in einen theatralen Essay für drei Schauspielerinnen und eine Stadt gefasst.
Anhand von Streifzügen durch die Geschichte des Judentums in Halle, den Stimmen von Betroffenen der verschiedenen Opfergruppen und mit überraschenden Verbindungen zwischen Stadionbesuch und Gottesdienst hat die versierte Regisseurin und gebürtige Hallenserin Carolin Millner Historie und Gegenwart in ein Labor des Morgen gefasst.
Die Inszenierung lief sehr erfolgreich und bot stets Raum für einen berührenden, nachhaltigen Austausch zu dieser kollektiven Wunde in der Stadtgeschichte.
Nun wird anlässlich des 7. Gedenktages das Stück einmalig in einer szenischen Lesung präsentiert. Neben den Schauspielerinnen der Uraufführung, Elke Richter und Sybille Kress, liest auch die Autorin und Regisseurin Carolin Millner selbst auf der Bühne des nt-Schaufensters.
Fragen und die nicht so leichten Antworten – im Blick auf eine Zukunft, die alle mitgestalten sollen: Dafür bietet ein anschließendes Publikumsgespräch Raum für Austausch.
https://www.buehnen-halle.de/de/program/und-nachsten-mittwoch-erinnern-ist-heimat-kapitel-i-von-carolin-millner/280631
3 Jahre 7. Oktober. 3 Jahre Antisemitismus. Lesung „Lauter Hass“ mit Maria Kanitz und Lukas Geck
Datum & Ort: 15. Oktober 2026, 19 Uhr, VL, Ludwigstraße 37
3 Jahre sind seit dem brutalen Angriff der Hamas und ihrer Verbündeten vergangen. 3 Jahre, die geprägt sind von einer in der jüngeren Geschichte beispiellosen Eskalation von Antisemitismus, die sich im Alltag von Jüdinnen und Juden, auf den Straßen und in politischen Positionsbestimmungen und insbesondere auch im Kulturbetrieb zeigt.
Am 15.10.2026 stellen Maria Kanitz und Lukas Geck ihr im Verbrecher Verlag erschienenes Buch „Lauter Hass. Antisemitismus als popkulturelles Ereignis“ in Halle vor, mit anschließender Diskussion zum Buch.
Die Autor:innen Maria Kanitz und Lukas Geck untersuchen darin, wie antisemitische Narrative zunehmend in Popkultur, Musik und digitale Öffentlichkeiten einsickern – oft unter dem Deckmantel politischer Positionierung oder Aktivismus. Die Veranstaltung greift diese Entwicklungen auf und verbindet wissenschaftliche Analyse mit aktuellen Erfahrungen aus der Kulturpraxis.
Gerade in der Musik- und Veranstaltungsszene zeigen sich in den vergangenen Jahren verstärkt Konflikte um politische Symbolik, Boykottaufrufe oder israelfeindliche Darstellungen auf Bühnen. Die Lesung schafft Raum für Einordnung, Austausch und kritische Reflexion.
Rund um die Lesung gibt es die Möglichkeit für Rückfragen an die Autor*innen und das Buch und weitere am Büchertisch von Jacobi&Müller zu kaufen.
Zur Reihe „Gegen jeden Antisemitismus“:
Antisemitismus ist allgegenwärtig.
Manchester, Sydney, Gießen, London, Lüttich, Amsterdam, Rotterdam, München … Die Liste der Orte, an denen sich seit dem 7. Oktober 2023 antisemitische Anschläge und Terrorakte ereigneten, ist erdrückend lang. Der Angriff der Hamas und ihrer Verbündeten im Jahr 2023 stellte den brutalen Auftakt für die jüngste Welle antisemitischer Mobilisierungen und Angriffe weltweit dar, die bis heute nicht abreißt.
Doch es sind nicht nur die zunehmende Zahl der Gedenkanlässe, die eine in der neueren Geschichte beispiellose Eskalation des Antisemitismus zeigen – es ist vor allem der Alltag. Unter dem Label der „Palästina-Solidarität“ werden antisemitische Narrative, Vernichtungsfantasien gegen Israel und Terrorverherrlichung auf die Straßen gebracht. Jüdinnen und Juden und Menschen, die sich gegen Antisemitismus engagieren, werden zum Ziel der Feindmarkierung – oft auch mit Symbolen der Hamas. Der öffentliche Raum ist zu großen Teilen zum Angstraum für Jüdinnen und Juden geworden.
Projekte, Gruppen und Bündnisse, aber auch Clubs und Szenelocations, die ihre Arbeit gegen JEDEN Antisemitismus richten und auch in der eigenen Szene einen klaren Trennungsstrich zu antisemitischen Akteur*innen ziehen, geraten zunehmend unter Druck.
Auch uns macht diese Entwicklung traurig und wütend. Wir nehmen sie zum Anlass, unsere Veranstaltungsreihe „Gegen jeden Antisemitismus“ aus dem letzten Jahr fortzusetzen und uns weiter zu vernetzen, zu bilden und im Kampf gegen Antisemitismus zu stärken.