Blog, Podcast, Ausstellung, Infos

Am 9. Oktober 2019 griff ein extrem rechter Antisemit und Rassist die Synagoge in Halle (Saale) an und versuchte die Menschen die dort Jom Kippur feierten, zu töten. Nachdem es ihm nicht gelang in das Gebäude einzudringen, erschoss er Jana Lange vor der Synagoge und verübte dann einen antimuslimischen Anschlag auf den Kiez Döner. Dort erschoss er Kevin Schwarze und versuchte weitere Menschen im und vor dem Imbiss als auch auf seiner Flucht in der Magdeburger Straße und in Landsberg-Wiedersdorf zu töten. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt. Seine Taten streamte der Attentäter live im Internet. Zuvor veröffentlichte er Dokumente, in denen er von der Tötung von Juden_Jüdinnen, Muslim_innen, Schwarzen Menschen und Linken schrieb. Am 21. Juli 2020 begann der Prozess gegen den Attentäter. Mit diesem Blog sammeln wir Informationen über den Prozess und zu Veranstaltungen und Aktionen, die sich mit dem Anschlag auseinandersetzen. Zu jedem Prozesstag produziert Radio CORAX in Kooperation mit Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage und dem AK Protest im Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einen Podcast. Den Podcast gibt es auch bei Spotify und Apple Podcasts zum Nachhören und Abonnieren. Vom 9. – 11. Oktober stellen Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage und die Mobile Opferberatung bei Miteinander e.V. in Koorperation mit der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft und der BURG Halle im Rahmen des Raums der Erinnerung und Solidarität auf dem Steintor-Campus Videos, Audios und Texte aus, in denen Überlebende und Betroffene des Anschlags zu Wort kommen.

Veranstaltungen zum Jahrestag des Anschlags

„Veranstaltungen zum Jahrestag des Anschlags“ weiterlesen

Raum der Erinnerung und Solidarität

Am 9. Oktober 2019 griff ein extrem rechter Antisemit und Rassist die Synagoge in Halle (Saale) an und versuchte die Menschen die dort Jom Kippur feierten, zu töten. Nachdem es ihm nicht gelang in das Gebäude einzudringen, erschoss er Jana Lange vor der Synagoge und verübte dann einen antimuslimischen Anschlag auf den Kiez Döner. Dort erschoss er Kevin Schwarze und versuchte weitere Menschen im und vor dem Imbiss als auch auf seiner Flucht in der Magdeburger Straße und in Landsberg-Wiedersdorf zu töten. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt. Seine Taten streamte der Attentäter live im Internet. Zuvor veröffentlichte er Dokumente, in denen er von der Tötung von Juden_Jüdinnen, Muslim_innen, Schwarzen Menschen und Linken schrieb. In Teile seiner Munition ritzte er Hakenkreuze, vor seinen Taten stellte er in Abrede, dass es die Schoah gegeben habe und bezog sich auf die extrem rechte Verschwörungsideologie „QAnon“. Der Attentäter hat sich nicht alleine radikalisiert, er bezog sich auf andere Rechtsterroristen und ist Teil weltweiten rechten, antisemitischen und antimuslimischen Terrors, er hatte Kontakte und Austausch, wurde motiviert und begleitet, seine Ideologie teilt er mit anderen – er war kein Einzeltäter. Am 21. Juli 2020 begann der Prozess gegen ihn vor dem Oberlandesgericht Naumburg, corona-bedingt in den Räumen des Landgerichts Magdeburg.

Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage und die Mobile Opferberatung bei Miteinander e.V. laden vom 9. 11. Oktober 2020 in den Raum der Erinnerung und Solidarität auf den Steintor-Campus und am Steintor ein. Wir rufen dazu auf, am ersten Jahrestag des Anschlags an Jana Lange und Kevin Schwarze zu erinnern und zur Solidarität mit den Betroffenen des Anschlags, der Jüdischen Gemeinde zu Halle und dem Kiez Döner. Unweit der Anschlagsorte stellen wir Videos, Audios und Texte aus, in denen Überlebende und Betroffene des Anschlags zu Wort kommen. Es wird am Steintor die Möglichkeit geben, am Freitagmittag um 12:01 Uhr die Gedenkminuten mit anderen Menschen zu verbringen und eine Übertragung der an diesem Tag stattfindenden Landesdemokratiekonferenz und der offiziellen Gedenkveranstaltung von Stadt und Land zu sehen. Der Raum der Erinnerung und Solidarität auf dem Steintor-Campus und das Steintor sollen eine Anlaufstelle für Menschen sein, die ihre Anteilnahme und Solidarität ausdrücken und sich mit den Erfahrungen und Forderungen der Überlebenden und Betroffenen auseinandersetzen wollen und am Jahrestag des Anschlags die Möglichkeit für Begegnungen und Gespräche suchen. Weiterhin werden am Samstag Redebeiträge am Steintor gehalten werden.

Ein Jahr nach dem Anschlag auf die Synagoge und den Kiez Döner steht die gesellschaftliche und politische Aufarbeitung immer noch am Anfang, während viele Überlebende und Betroffene des Anschlags im Prozess gegen den Attentäter aussagen und an dieser juristischen Aufarbeitung als Nebenkläger_innen beteiligt sind. Ihre Stimmen sollen am Jahrestag des Anschlags im Mittelpunkt stehen und gehört werden. Für viele Überlebende und Betroffene stehen rund um den Jahrestag – der auf einen Freitag fällt – Feiertage an, in der Woche bis Freitag Sukkot, das Laubhüttenfest. Religiöse Juden_Jüdinnen feiern ab Freitagabend den Schabbat, am Samstag Schemini Azeret und am Sonntag Simchat Tora. Gedenken und Erinnern werden an diesem Jahrestag für viele Überlebende und Betroffene unterschiedlich aussehen – Solidarität gilt ihnen allen.  

Termine und Uhrzeiten am Steintor: Raum der Erinnerung und Solidarität und Begegnung auf dem Campus Freitag 9.10. Sonntag 11.10. / Pressekonferenz (nur mit Akkreditierung) Freitag um 9:30 Uhr / Eröffnung Raum der Erinnerung und Solidarität Freitag 11 Uhr / Gedenkminuten Freitag 12:01 Uhr / Übertragung Landesdemokratiekonferenz Freitag ab 12:30 Uhr / Übertragung zentrale Gedenkveranstaltung Freitag ab 17 Uhr / Redebeiträge Samstag / weitere Uhrzeiten folgen. 

Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage ruft zu einer Demonstration am Tag X nach der Urteilsverkündung im Prozess gegen den Attentäter auf. Alle bekannten Veranstaltungen rund um den Jahrestag werden hier im Blog gesammelt, dort findet sich auch ein Podcast zum Prozess gegen den Attentäter vom 9. Oktober in Kooperation mit Radio CORAX und dem AK Protest im Studierendenrat der Martin-Luther-Universität.

 

Freitag, 09. Oktober

11:00 Uhr Eröffnung des Raumes der Erinnerung und Solidarität am Steintor
12:01 Uhr Gedenkminuten am Steintor
12:30 Uhr Übertragung der Landesdemokratiekonferenz
17:00 Uhr Übertragung der Gedenkveranstaltung der Stadt Halle (Saale)

Öffnungszeiten der Ausstellung: 11:00 – 19:30 Uhr

Samstag, 10. Oktober

15:00 Uhr Redebeiträge am Steintor

Öffnungszeiten der Ausstellung: 11:00 – 18:00 Uhr

Sonntag, 11. Oktober

Öffnungszeiten der Ausstellung: 11:00 – 16:00 Uhr

 


Ausschlussklausel: Die Veranstalter*innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu der Veranstaltung zu verwehren oder sie von dieser auszuschliessen. Das gilt ebenso für Personen, die rechtsradikale Symbolik und Bekleidungsmarken zur Schau stellen, insbesondere gilt dies für die Modemarke Thor Steinar.

Kundgebung am Prozessauftakt gegen den rechten Attentäter von Halle

Am 21. Juli 2020 beginnt in Magdeburg der Prozess gegen den Attentäter des rechten Terroranschlags in Halle am 9. Oktober 2019. Bei dem Anschlag wurden Jana Lange und Kevin Schwarze ermordet, weitere 68 Menschen entkamen dem Täter nur knapp. In voraussichtlich 18 Prozesstagen soll die Anklage des Generalbundesanwalts verhandelt werden. Zusätzlich sind 40 Nebenkläger*innen zur Verhandlung zugelassen.

Immer wieder wird der Täter aufgrund fehlender Mittäter*innen und seiner Radikalisierung im Internet als Einzeltäter beschrieben. Die antisemitischen und rassistischen Resonanzräume in Online-Communities und der deutschen Gesellschaft, die seine Radikalisierung erst ermöglicht haben, werden dabei ausgeblendet. Doch es handelt sich weder um einen vereinzelten Täter, noch um einen Einzelfall! Der Mord an Walter Lübcke, der Anschlag in Hanau oder der NSU sind Vielen in Erinnerung. Doch die Mehrzahl der 208 Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 und unzählige Anschläge werden verdrängt. Wer kennt das Oktoberfestattentat, den Mord an Shlomo Levin und Frida Poeschke, die Sprengstoffanschläge auf jüdische Friedhöfe in Berlin, die Anschläge von Düsseldorf Wehrhahn oder Hamburg-Veddel oder die unzähligen (Brand-)Anschläge auf Häuser und Restaurants von Migrant*innen und Geflüchtetenunterkünfte? Rechte Gewalt ist für viele Betroffene eine beinahe tägliche Erfahrung. Dabei werden sie von Polizei, Medien und politisch Verantwortlichen häufig alleingelassen oder selbst zu Verdächtigen gemacht.

Um rechten Terror ernsthaft zu bekämpfen, müssen wir einerseits die rassistischen und antisemitischen Zusammenhänge zwischen den Taten anerkennen, vor allem aber auch die Erfahrungen und Forderungen der Betroffenen ernst nehmen. Wir dürfen uns mit der Forderung nach Aufklärung nicht auf einen Gerichtsprozess verlassen, der von Anfang an den Täter in den Fokus nimmt. Erst vor kurzem zeigte die Urteilsbegründung im NSU-Prozess, dass die Erwartungen der Angehörigen an eine juristische Aufklärung bitter enttäuscht und die Erzählungen von Einzeltäter*innen, bzw. einem Trio fortgeführt werden. Stattdessen fordern wir „Solidarität mit den Betroffenen – keine Bühne dem Täter!“ Wir werden die Perspektive und die Forderungen der Nebenkläger*innen und anderer Betroffenen zum Mittelpunkt machen und thematisieren wie Solidarität im Verlauf des Prozesses und darüber hinaus gestaltet werden kann. 

Dazu müssen wir uns fragen: Was ist unsere Antwort als Gesellschaft, wenn die Polizei versagt Synagogen und das Leben von Jüdinnen und Juden zu schützen? Wie stehen wir den Betreibern des Kiez-Döners zur Seite wenn die Bundes-, Landes- und Stadtpolitik die zugesagte Unterstützung verwehren? Wie können wir selbst rechter Radikalisierung auf der Straße und im Netz entgegenwirken? Diese Fragen werden nicht in diesem Prozess verhandelt, sondern müssen praktisch und solidarisch von uns beantwortet werden.

Mit dem bevorstehenden Urteil hoffen viele Stadt- und Landespolitiker*innen einen „Schlussstrich“ unter den Anschlag ziehen zu können und trotz täglicher rechtsextremer Vorfälle ein buntes und tolerantes Halle und Sachsen-Anhalt zu behaupten. Doch für die Betroffenen geht die Verarbeitung des Anschlags über die juristische Dimension hinaus. Wir wollen deshalb schon zum Prozessbeginn klarmachen, dass es keinen Abschluss mit dem Anschlag geben kann!

Kommt am 21. Juli 2020 ab 8:00 Uhr bis nach Ende des Prozesstages zum Landgericht Magdeburg.


In Solidarität mit den Nebenkläger*innen und anderen Betroffenen.
In Gedenken an Jana Lange und Kevin Schwarze

Initiative 9. Oktober Halle

NSU-Komplex auflösen Halle

AK Antira Magdeburg

Solidarisches Magdeburg

Seebrücke Magdeburg

Regina – Ravende Europäer gegen Intoleranz und Nationalismus

Kollektiv „IfS dichtmachen“

Antirassistische Netzwerk Sachsen-Anhalt

Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage